Scala Galerie
Die Strecke der Berninabahn wurde, wo möglich, nach Kriterien der Aussicht trassiert. Das merkt man noch heute. Nach dem Verlassen von Ospizio Bernina – dem höchsten Punkt der Strecke auf 2253 Metern – wendet sich die Bahn in Richtung Alp Grüm, durch die Scala-Galerie.
Dabei ist dieser Pass eine jahrtausendealte Verbindung – steinzeitliche Funde belegen Passverkehr über die Bernina schon in vorhistorischer Zeit. Am 5. Juli 1910 fuhr erstmals ein Zug von St. Moritz nach Tirano – vier Jahre Bauzeit, tausende italienische Arbeiter, höchstes Gebirge.
Hier oben hat sich seither wenig verändert. Zwei ABe 4/4 III Triebwagen der Rhätischen Bahn führen den Zug durch die Landschaft – ohne Zahnrad, ohne Scheiteltunnel, allein durch Reibung und Steigung, bis zu sieben Prozent an manchen Stellen. Seit 2008 gehört die Strecke zum UNESCO-Welterbe.
Es ist das Titelbild des Buches „Alpenbahnen“ – und wäre fast nicht entstanden. Ich war schon oft nur 30-40 Meter an dieser Stelle vorbeigegangen. Diesmal schaute ich aber genauer. An diesem Tag war es der letzte Zug bei Tageslicht. Und dann kamen sie – zwei ABe 4/4 III – seit 1988 auf der Berninabahn im Einsatz, markant, kantig, unverwechselbar. Ende 2023 wurden sie aus dem regulären Betrieb genommen.

























